Die Zisterzienser
Der Zisterzienserorden entstand aus dem ersten europäischen
Benediktinerorden durch eine Reform der Ordensregeln, die zwischen
den Jahren 1098-1113 der heilige Robert von Molesme durchführte
und denen der heilige Bernhard im Burgunder Konvent in Citeaux
(lateinisch Cistercium) nachfolgte.
Die Ordensregel gebietet gemeinsames Leben und Arbeit in Entsagung,
in Buße und im Gehorsam (Ora et labora! = Bete und arbeite!).
Weitere Aspekte betreffen die praktische Tätigkeit von
der Landwirtschaft und Wirtschaft, über das Bauwesen und
weitere Gewerbe bis zur Kunst. Mit dieser praktischen Tätigkeit überragten
die Zisterzienser die übrigen Orden: Deshalb wurden sie
oft gerufen, um öde Grenzgebiete zu kolonisieren.
Die
Zentralleitung der Klöster war von den Mutterkonventen
im Burgund zu weiteren Tochterklöstern (sogenannte Filiationen)
gerichtet, die Mönche aus der älteren Kommunität
gründeten. So führt eine direkte Linie von Citeaux
und Morimond über die deutschen Konvente Kamp, Volkenroda
und Waldsassen (Oberpfalz nahe der böhmischen Grenze)
bis zu den zwei böhmischen Klöstern in Sedlec bei
Kutná Hora (1142-1143) und in Mast´ov, resp.
in Ossegg.
Aus Waldsassen berief der Magnat Milhost im Jahre 1192 die
Mönche nach Mast´ov bei Kadan. Erst am 20.
Juni 1196 bestätigte der tschechische Fürst und Bischof
Jindrich Bretislav schriftlich die Fundation, was für
ein festes Datum der Konventexistenz gehalten wird. Deshalb
betrachtet man diesen Tag als Gründungsdatum. Bald nachher
verließen die Mönche wegen Besitzstreitigkeiten
mit Milhost ihren ursprünglichen Wirkungsort.
In den Jahren
1197 bis 1199 siedelte der Magnat Slavek (aus dem Geschlecht
der Hrabisic,
auch Herren von Riesenburg) die Mönche auf seiner Herrschaft
in Ossegg unter dem Erzgebirge an. Auf dem Berge über
dem Kloster entstand im letzten Drittel des 13. Jahrhunderts
die Riesenburg.
Die Zisterzienser kolonisierten die bewaldeten Gebiete im Erzgebirge
und in der Umgebung von Ossegg. Der Name Ossegg ist übrigens
charakteristisch: es ist eine Ableitung vom Wort, das auf tschechisch "Holz
hacken " und "roden" bedeutet. Die tschechische
Bezeichnung von Ossegg lautet Osek.
Die Mönche erledigten zuerst selbst auch schwere physische
Arbeit, später beschäftigten sie die Laienbrüder
(fratres converses) und das profane Personal.
Die Laienbrüder lebten in der Regel im Westflügel
des Konvents, getrennt von den Mönchen, wo sie Handwerkerdielen,
einen Speisesaal, einen Schlafraum und Latrinen hatten. Für
ihren Zutritt in die Kirche wurde ein spezieller Zugang errichtet
und in der Kirche sammelten sie sich in einem von den Mönchen
separierten Chor.
In Ossegg war schon vor der Hussitenperiode eine umfangreiche
Gemeinschaft von Laienbrüdern. So erwähnen Gerichtsakten
aus dem Jahre 1407 einen Gerichtsstreit zwischen Laienbrüdern
und dem Konvent. Die Laienbrüder wie Tischler, Holzschnitzer,
Buchbinder und Schmiede werden hier von der 2. Hälfte
des 17. Jhs. erwähnt.
Auch die barocke Legende von der Gründung des Ossegger
Klosters erinnert an dessen Ursprung: es wird da eine hundertjährige
Eiche erwähnt, die den Lokatoren des Klosters in der für
den Bau des Klosters vorgesehenen Lokalität im Wege stand.
Die Mönche fällten diesen majestätischen Baum
aus Ehrfurcht vor dem Schöpfer und der hl. Jungfrau nicht.
Der Bauplatz des Klosters wurde verschoben, die Pilger verehrten
die denkwürdige Eiche bei ihren Prozessionen und die Reste
des hohlen Stammes werden bis heute besucht.
Aus archäologischen
und schriftlichen Quellen weiß man, dass weder Ossegg
noch Dux (Duchcov) oder dessen Umgebung zur Zeit der Errichtung
des Klosters öde Orte waren. So stand schon damals eine
Pfarrkirche in Ossegg. |