Projekt Chorgestühl
Die Förderung des Projektes „Restaurierung des barocken Chorgestühls
der Klosterkirche Osek“ war ein umfangreiches Verbundprojekt über
den Förderzeitraum 1998 bis 2000 und erfolgte mit den Mitteln
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der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU)
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dem Bundesministerium des
Innern (BMI)
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der Europäischen Kommission (EK)
Neben den Maßnahmen zur Erhaltung von Kulturgut mit Materialien
und Technologien, die die Aspekte des Umwelt- und Gesundheitsschutzes
intensiver berücksichtigen als bisherige Maßnahmen (Anteil
DBU), wurde das Chorgestühl vor dem drohenden Zerfall bewahrt, gesichert
und teilweise wiederhergestellt (Anteile BMI und EK).
Das aus dem Jahr 1650 stammende Chorgestühl ist mit seinen Intarsien
sowie den reichhaltig vergoldeten Ornamenten und geschnitzten Figuren
ein einzigartiges Kunstwerk und dient noch heute den Mönchen für
das gemeinschaftliche Chorgebet. Das dreischiffige Langhaus der Basilika
wird durch ein kunstgeschmiedetes Lettnergitter von der Abteikirche getrennt.
In der Abteikirche hatten Abt und Mönche entsprechend den Ordensregeln
im Chorgestühl ihren Platz auf zwei längsgerichteten Sitzreihen
je mit 19 Sitzplätzen. Das Chorgestühl, in den Abmessungen von
14,34 m Länge und 6,50 m Höhe, besteht aus zwei sich gegenüberstehenden
deckungsgleichen Gestühlseiten, der nördlichen und südlichen
Seite. Über dreistufige Zugangstreppen gelangt man auf ein Podest,
auf dem die 19 Stallen und die Brüstung stehen. Die Stallwangen sind
mit reichgeschnitztem Rollwerk mit Akanthusblatt, verschiedenen Engeln
und Putti vielgestaltig verziert. Das Gesims wird von aufgesetzten Kränzen
mit teilweise vergoldeten Profilen und reichen dekorativen floralen und
figürlichen Beigaben geziert und jeweils drei ovalen Leinwandgemälden
pro Seite. Nach den Klosterakten wurde das Chorgestühl in der Klosterwerkstatt
hergestellt und wird dem Tischlermeister, Intarseur und Holzschnitzer
J.J. Profft zugeschrieben.
Durch Schädlingsbefall und den teilweisen Abbau des Gestühls,
verbunden mit ungüstigen Lagerbedingungen ausgelagerter Bauteile
war das Chorgestühl in unterschiedlichem Ausmaß je nach Holzart
und Konstruktionsteil stark beschädigt und von endgültiger Zerstörung
akut bedroht. Erst nach umfangreichen Voruntersuchungen, wie klimatechnischen
Untersuchungen, Bestimmung der Art und Intensität der Schädigungen
konnten wirksame Maßnahmen zur Schädlingsbekämpfung eingeleitet
werden. Auf der Grundlage dieser Schadensanalyse wurde zur Schädlingsbekämpfung
ein Begasungsverfahren mit dem Inertgas CO2 durchgeführt. Dabei handelte
es sich um ein thermisch geregelte Behandlung gegen tierische Schadinsekten.
Hierfür wurde das gesamte Chorgestühl und sämtliche bewegliche
Holzbauteile der Kirche gasdicht mit einem Zelt ummantelt.
Die Begasung
wurde nach einer vorsichtigen Temperaturerhöhung und einer Spülphase,
bei der zunächst die Atmosphäre im Begasungszelt auf die Gaswerte
eingestellt wurden, über einen Zeitraum von 22 Tagen bei einer Temperatur
von 25 bis 35 °C durchgeführt. Bei der Begasungsmaßnahme
kam modernste Technik zum Einsatz, die es ermöglichte, exakte Feuchte-
und Temperatur- und CO2-Werte voll automatisch zu regeln. Der
gesamte CO2-Bedarf betrug für diese Maßnahme etwa 20 t und wurde aus
einer wenige Kilometer entfernten chemischen Anlage geliefert.
Nach Maßnahmen zur Klimatisierung, Notsicherung nicht mehr transportabler
Teile und der Bekämpfungsmaßnahme im Begasungszelt, konnte
mit der eigentlichen Restaurierung begonnen werden.
Dabei wurden die Oberflächen
gereinigt, Holzteile ergänzt, Fassungen konserviert, Fassungsfehler
geschlossen und ausgebessert sowie die farbigen Fassungen und
Vergoldungen retuschiert. Darüberhinaus war die Ergänzung und
Neuverleimung von Intarsien und Trägermaterialien notwendig. Das
Schließen
von Bohrlöchern der holzzerstörenden Insekten und die Neufassung
der restaurierten Oberflächen nach historischem Vorbild rundeten
die Restaurierungsarbeiten ab.
Die Arbeiten am Chorgestühl wurden
gemeinsam von tschechischen und deutschen Restauratoren durchgeführt.
Als weiterer Schritt zur langfristigen Sicherung der Restaurierungsmaßnahmen
wurde neben Konzepten der Klimastabilisierung ein integriertes, vorbeugendes
Holzschutzkonzept umgesetzt, dass sowohl baulich konstruktive Maßnahmen
als auch einen chemisch vorbeugenden Schutz beinhaltete.
Mit den zur Verfügung gestellten Mitteln konnte nur der südliche
Teil des Chorgestühl komplett restauriert werden. Eine abschließende
Restaurierung des nördlichen Chorgestühls ist daher in naher
Zukunft wünschenswert. |