Die Geschichte
Ein Spiegel der böhmischen und europäischen
Vergangenheit, ein wechselvolles Auf und Ab, ist die über
800jährige Geschichte des Klosters Osek, zu der Jahre
des Wohlstands und Einflusses ebenso gehören wie Zeiten
der Bedrängnis und des Niedergangs. Bemerkenswert bleibt,
dass die Zisterzienser immer wieder nach Osek zurückkehrten
und sich den Herausforderungen eines Neuanfangs stellten.
Dem Engagement seiner Mönche und der
Weitsicht seiner Äbte verdankt Osek sein einzigartiges
und bis heute lebendiges Kloster. Schon bald nach seiner
Gründung 1098 im burgundischen Citeaux war der Orden
der Weißen Mönche zur treibenden Kraft der Christianisierung
geworden und verbreitete das Wissen um Agrar-, Forst- und
Wasserwirtschaft, Architektur und fortschrittliches Handwerk über
ganz Europa.
Auf Einladung Slavkos des Großen, Kämmerer des Königreichs
Böhmen und Burggraf in Bilin, kommen Zisterzienser aus dem oberpfälzischen
Waldsassen und gründen 1196 das Kloster Osek.
Mit der romanischen Abteikirche beginnt
in den Jahren 1206 bis 1221 der Bau des steinernen Klosters.
Darauf folgen die Konventgebäude, deren Baustil schrittweise
von der Romanik zur Gotik übergeht. Der Ostflügel
mit dem berühmten Kapitelsaal entsteht unter Slavko
von Hrabischitz, der als Enkel des Gründers 1235 erster
böhmischer Abt von Osek wird.
Der kontinuierliche Aufstieg des Klosters Osek endet mit den Hussitischen Kriegen.
1421 kommt es zur ersten Verwüstung der Abtei, einen weiteren Überfall
1429 überleben nur wenige Mönche. Das Kloster führt von da an
ein kümmerliches Dasein, veräußert mehr und mehr seiner Güter,
bis es im Jahre 1580 - im hoch verschuldeten Kloster leben nur noch sechs Mönche
- schließlich aufgelöst und auf 46 Jahre zum Sommersitz der Prager
Erzbischöfe gemacht wird.
Erst 1626 wird Osek den Zisterziensern zurückgegeben.
Zu seiner großen Blüte kommt das Oseker Kloster
nach dem Dreißigjährigen Krieg. 1650 tritt Laurentius
Scipio an, der die Abtei sehr erfolgreich durch vier Jahrzehnte
führt und den Grundstein für Jahrhunderte des Wohlstands
und nachhaltigen Einflusses auf Nordböhmen legt. Die
im Krieg ausgebrannte Kirche wird erneuert und die Werkstätten,
Meierhöfe und Wirtschaftsgebäude ausgebaut. Ein
großer Obst- und Gemüsegarten entsteht westlich
des Klosters.
Der Nachfolger Scipios kann sich bereits auf einem stabilen
wirtschaftlichen Fundament dem Ausbau seiner Abtei widmen.
Benedikt Littwerig, Abt von 1691 bis 1726, veranlasst die
barocken Umbauten, Erweiterungen und Ausschmückungen,
die das Bild der Abtei bis heute prägen. Für die Baumaßnahmen
werden die seinerzeit führenden Baumeister Giulio und Octavian Broggio
gewonnen. Sechs Jahre benötigt man, bis die detailreiche Umgestaltung
der Kirche im Jahre 1718 abgeschlossen werden kann. Es entstehen Prälatur,
Brauerei, Klosterbibliothek, Apotheke und eine erste Textilmanufaktur.
Abt Hieronymus Besnecker lässt die
großen Barockgärten anlegen - ab 1726 den Abtgarten
vor dem Ostfl ügel der neuen Prälatur und ab 1728
den Konventgarten südlich des Klosters.
Abt Mauritz Elbel verteidigt Osek - als eines von nur zwei böhmischen
Zisterzienserklöstern - mit Erfolg gegen die von Kaiser Josef II. angestrengten
Reformen und Klosterschließungen von 1783. Der Abt gründet die Bildergalerie,
das naturwissenschaftliche Kabinett, er lässt den Abtsaal aufwendig gestalten
und den Abtgarten auf seine bis heute erhaltene Größe erweitern.
Das 19. Jahrhundert sieht das Kloster Osek
vor allem als Ort der Literatur und Wissenschaft, des sozialen
und kirchenpolitischen Engagements und als wirtschaftliches
Unternehmen, das seine Erträge aus Kohlegruben, dem
Obstbau und der Verpachtung seines umfangreichen landwirtschaftlichen
Besitzes erzielt. In den Jahren 1875 bis 1877 werden unter
den Äbten Sales Mayer und Ignác Krahl das Kloster
komplett renoviert und die Gärten im landschaftlichen
Stil umgestaltet.
Unter Abt Theobald Scharnagl erlebt das
Kloster Osek beide Weltkriege und 1921 die Verkleinerung
des Klosterbesitzes durch die Agrarreform. 1943 übernimmt
Abt Eberhard Harzer das Kloster, 1945 wird er gemeinsam mit
den deutschen Mönchen interniert und 1946 nach Österreich
ausgewiesen. Bis 1950 leben Salesianer im Kloster, bevor
hier ein Internierungslager für Ordenspriester und ab
1953 für tschechische Nonnen verschiedener Orden entsteht.
Neues zisterziensisches Leben zieht in den alten Mauern ein, als das Kloster
nach der Wende dem Orden zurückerstattet wird und Bernhard Thebes 1991
- nach wiederum 46jähriger Unterbrechung - als 45. Abt in Osek antritt.
Mit der Unterstützung vieler Menschen widmet er sich vor allem der Wiederbelebung
des christlichen Glaubens, der Betreuung Obdachloser und der Erneuerung der
umfangreichen historischen Bausubstanz des Klosters.
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