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Der Jahresbericht 2005/2006

Liebe Freunde des Klosters Osek,

viele von Ihnen werden den englischen Schriftsteller Gilbert K. Chesterton kennen, zumindest werden Sie seine Krimis mit dem irischen Pater Brown gelesen oder in der Verfilmung mit Heinz Rühmann gesehen haben. Leicht wird bei der Heiterkeit der Geschichten vergessen, daß Chesterton ein tief religiöser Denker und nach seiner Konversion ein frommer Katholik war. Rückblickend auf die Geschichte der Kirche hat er einmal geschrieben, wie oft schon der christliche Glaube scheinbar „vor die Hunde gegangen“ sei – und dann zählt er allerlei Irrlehren und gottfeindliche Philosophien auf –, „doch“, so Chesterton mit seinem typischen Humor, „stets war es der Hund, der starb.“

Im Grunde ist es nur eine etwas saloppere Ausdrucksweise für das Christus-Wort, daß die „Pforten der Hölle“ die auf Petrus erbaute Kirche niemals überwältigen werden (vgl. Mt 16,18). Es tut manchmal gut, sich an diese Zusage Christi zu erinnern, aus der Gläubige wie Chesterton und unzählige andere durch die Jahrhunderte hindurch ihre gelassene Zuversicht geschöpft haben. Auch heute dürfen wir uns auf diese Worte verlassen, wenn wir sehen, wie scharf die Kirche und der Glaube in jüngster Zeit angegriffen, ihre Symbole und Amtsträger öffentlich verspottet werden. Ich nenne nur vier Beispiele: 1) die den Papst beleidigende Zeichentrickserie „Popetown“ auf dem Jugendsender MTV samt der dazugehörigen blasphemischen Werbeanzeige, die just in der Karwoche erschien; 2) den Millionenbestseller „Sakrileg“ („Da Vinci Code“), dessen Verfilmung in diesem Monat weltweit in die Kinos kommt und der vorgibt, die Kirche sei auf Lug und Trug aufgebaut, und damit beim überwiegend unbedarften, sensationshungrigen Publikum leider auch verfängt; 3) die vermeintliche Sensation des sogenannten „Judas-Evangeliums“, das die Geschichte Christi und seiner Apostel angeblich ganz umwälzend anders erzählt, aber im Grunde, wie seriöse Forscher nachgewiesen haben, nur das Gewäsch einer uralten Irrlehre neu aufgekocht hat; 4) die hämischen Berichte und Kommentare, die im Zuge all dieser Veröffentlichungen in deutschen Medien wie gerade wieder in der Illustrierten „Stern“ erscheinen. Da ich selbst dem Berufsstand der Journalisten angehöre, kann ich in diesen Fällen kaum anders, als mich zu schämen für die Bosheit und Unwissenheit, mit der manche Kollegen zu Werke gehen, wenn es um die Kirche geht. Übernatürlich betrachtet, könnte man sogar versucht sein zu meinen, die „Pforten der Hölle“ wollten nun zum großen Gegenschlag ausholen, gewissermaßen aus Rache für das große Papstjahr 2005, in dem die Kirche die Medien über viele Wochen beherrschte und viele Menschen neu zum Glauben gebracht wurden. Aber wie dem auch sei – wir haben die Zusage, daß die Mächte der Finsternis nicht die Oberhand behalten werden.

Darum ist es gut, sich dieser Tatsache ab und an zu versichern. Und es ist auch gut, daran zu denken, daß ein Christ niemals alleine ist. Er hat immer Gott auf seiner Seite, und er hat die Gemeinschaft der Gläubigen, die Halt gibt, wenn die Zeiten mal ein bißchen rauher werden. Auch der Oseker Freundeskreis ist so eine Gemeinschaft der Gläubigen im kleinen, wenn ich uns einmal so nennen darf. Die Gemeinschaft ist inzwischen auf 501 Mitglieder angewachsen. Jeder einzelne von diesen – an allererster Stelle natürlich unser unermüdlicher, lieber Abt Bernhard selbst – ist ein Mensch, der glaubt: und zwar daß Osek gebraucht wird als Zentrum der Neuevangelisation Nordböhmens; daß durch Osek ungezählte Seelen für Gott gewonnen werden; daß Osek eine Zukunft hat. Dank eines kurzen Fernsehbeitrages über Osek, der im vergangenen Januar im ZDF ausgestrahlt wurde, und auch dank der Möglichkeiten der elektronischen Kommunikation mit E-Mail, haben uns in den letzten Monaten zu Osek sogar etliche Anfragen aus dem Ausland erreicht, darunter aus den USA und Norwegen.

Für Osek haben im vergangenen Jahr wieder viele Menschen gebetet und geopfert. Die Gebete lassen sich zwar nicht beziffern, aber ihre Wirkungen sind zu spüren. Das gilt insbesondere für das Gebet um neue Berufungen, um das Abt Bernhard uns als Freundeskreis sehr nachdrücklich gebeten hat. Hier sollten wir auf jeden Fall in Treue fortfahren und nicht nachlassen, und wenn sich noch mehr Menschen diesem Anliegen anschließen könnten, wäre das sehr schön. Abt Bernhard und Frater Charbel, der kurz vor seinen letzten Examina steht und dann, so Gott will, die Weihen empfangen wird, brauchen unser Gebet noch dringender als unsere Spenden – das ist keine Floskel, sondern übernatürliche Realität. Was unterdessen die Opfer in Form von Spenden angeht, läßt sich sagen, daß unser Freundeskreis im vergangenen Jahr das zweitbeste Ergebnis seit seiner Gründung erzielt hat: rund 160.000 Euro! Allen, die dazu beigetragen haben, sei bei dieser Gelegenheit nochmals ein herzliches „Vergelt’s Gott“ gesagt.

Es lohnt sich, wie schon im Osterbrief des vergangenen Jahres angeregt, diese Fakten nach draußen weiterzugeben. Erzählen Sie in ihrem Bekanntenkreis davon, was für eine starke Gemeinschaft der Freundeskreis Osek ist! Werben Sie dafür, daß Menschen das Kloster Osek besuchen und von der übernatürlichen Begeisterung für dieses große Projekt angesteckt werden! Und bitte machen Sie Ihre Freunde und Bekannten, sofern diese über Internetanschluß verfügen, auch auf die beiden Internetseiten aufmerksam, auf denen sie das Kloster Osek und das dazugehörige Gartenprojekt näher kennenlernen können! Die Adressen lauten:
www.kloster-osek.info
www.kloster-projekte-osek.info
Ein Besuch auf diesen Seiten lohnt sich auf jeden Fall – und es sollte nicht nur bei einem bleiben...

Die bevorstehende Pfingstwallfahrt, die in diesem Jahr zum 11. Mal von unserer stellvertretenden Vereinsvorsitzenden, Frau Doris Leusch, organisiert wird, bietet zudem eine besonders günstige und einfach wahrzunehmende Gelegenheit, das Kloster kennenzulernen. Überlegen Sie doch einmal, wen Sie vielleicht auch kurzfristig noch zu dieser Reise einladen könnten. Und auch wenn Sie aus zeitlichen, gesundheitlichen oder anderen Gründen an dieser Fahrt selbst nicht teilnehmen können, bleiben Sie dem Kloster und dem Freundeskreis im Gebet und, soweit es in Ihren Kräften steht, durch ihre materielle Wohltätigkeit verbunden; denn darin zeigt sich, daß wir Gottes ewig gültige Zusagen wirklich ernst nehmen.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen für die verbleibende Osterzeit und das nahende Pfingstfest Gottes reichen Segen,

Ihr Stephan Schmidt,
Vorsitzender des Freundeskreises der Zisterzienserabtei Ossegg

Neuss, am Herz-Jesu-Freitag im Mai 2006